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Kandidaten für den Anglizismus 2013: Fake- | Sprachlog
sprachlog.de →Nach dem größten Fakefake 2014 überhaupt, den Twitter letzte Woche unter ungefakter Anteilnahme des Postillon mit sich und dem Rest der Welt ausgefochten hat, knöpfen wir uns heute Fake- Konzept und ‑Morphologie vor. Wenn Ihnen das jetzt zu viel Meta war — gut aufpassen! Nominiert ist Fake- , nennen wir es vorläufig ein Präfix. Das ist keine triviale Feststellung. Denn während es mit dem Nomen Fake und seinen Ableitungen faken oder Faker/in enge Bedeutungsbeziehungen unterhält, hat Fake- in der deutschen Sprachgemeinschaft ein so faszinierendes semantisches und morphologisches Eigenleben entwickelt, dass wir ihm unrecht tun würden, es als bloße Zutat zu hundsgewöhnlichen Komposita abzutun. Und bevor Sie sich fragen, ob Fake- als Anglizismus 2013 taugt, wo es doch soooo alt ist — einfach das Spannungsfeld aus sehr Altem, viel Neuem und sprachlich Wertvollem genießen! Wir müssen aber bei Fake anfangen, um zu Fake- zu kommen. Der DUDEN definiert nicht, aber listet als Umschreibung Fälschung , Kopie , Nachahmung , Plagiat , Schmu , Schwindel . Das trifft auf Fake sicherlich in vielen Fällen zu, auch wenn etwa ein Plagiat ja auch nur dann ein Fake sein kann, wenn es um Produktpiraterie geht, nicht aber bei Doktorarbeiten (Prinzip: Nicht-Synonymität). Der Bedeutung übergeordnet ist das Element des ‚nicht echt seins‘ (in welcher Form auch immer). Für Fake- gilt diese übergeordnete Bedeutung des ‚unechten‘ auch, nicht aber die von Fälschung, Kopie, Nachahmung oder des Plagiats (jedenfalls nicht uneingeschränkt). Als Wortbildungselement steht Fake- nicht im DUDEN, aber auch nicht im OED. Das OED listet für fake in der relevanten Bedeutung ((Eine weitere kommt aus der nautischen Domäne.)) als Nomen (1) ‚contrievance, trick, invention‘ (loose: Erfindung), ‚counterfeit person or thing‘ (Fälschung, Nachahmung einer Person oder Objekts), (2) ‚spurious, counterfeit‘ (gefälscht, unecht, zweifelhaft) sowie aus dem Sport (3) ‚feinting to deceive one’s opponent‘ (den Gegner täuschen). 2004 bekam fake tan (‚Solariumsbräune‘) einen eigenen Untereintrag; offensichtlich, weil sich aus der Phrase fake ADJ + tan N hier eine intransparente Bedeutung entwickelt hat. Auffällig ist, dass bis auf fake tan alle Belege uralt sind. Der Eintrag ist also lange nicht mehr bearbeitet und ergänzt worden sein. Denn Belege für fake in ADJ+N‑Phrasen, die am ehesten der deutschen Affix-Verwendung entsprechen, gibt es z.B. im GloWbE-Korpus zu zehntausenden. Interessanterweise fehlt im OED der Eintrag als Adjektiv. Bei der Etymologie ist man sich unsicher. Möglicherweise besteht eine ferne Verwandschaft zum Deutschen fegen . Im Wiktionary werden außerdem Verbindungen zum Altenglischen fācn ‚Betrug‘, oder zum Altnordischen fjuka ‚verblassen, verschwinden‘ oder feikn ‚komisch, unnatürlich‘ diskutiert. Die Unsicherheit hat sicherlich auch mit der großen zeitlichen Lücke zu tun, denn fake ist erst seit 1775 belegt. Aber sollte an der Verwandtschaft was dran sein, ist die semantische Nähe des Scheins, Betrügens und Vertuschens durchaus plausibel. Im Deutschen Referenzkorpus (DeReKo) ist es erstmals 1986 belegt ( Der Bettler an der Ecke ist natürlich nicht blind, alles fake ), die erste Verwendung als kombinierte Form taucht 1990 in der Verbindung Fake Jazz auf (Fachbegriff?), 1992 als Fake-Rap . In den 1990ern und frühen 2000ern dominieren in komplexen Begriffen Mode- und Lifestyleprodukte mit Imitatcharakter ( Fake-Fur , Fake-Nerz oder Fake-Beer ), neben der Etablierung von Fake- als Begriff für Fälschungen und Täuschung: Im Juni brachten sie [Titanic] live den Mitschnitt ihrer Telefonate mit den drei SPD-Größen Lafontaine, Scharping und Schröder, die eine Fake-Einladung zu Tony Blairs Sieger-Party für bare Münze nahmen. [ Frankfurter Rundschau , 1997] Interessant sind Bel
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