Impliziter Autor
Sign in to saveBild, das sich der Leser durch die Lektüre dieses Textes vom Autor machen kann
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Der implizite Autor (englisch implied author) ist ein Begriff aus der Literaturwissenschaft, der von Wayne C. Booth im Jahre 1961 eingeführt wurde. Nach Booth bezeichnet der Terminus das Bild, das sich der Leser durch die Lektüre dieses Textes vom Autor machen kann. Er stellt somit eine vermittelnde Instanz zwischen dem tatsächlichen Autor und dem Erzähler dar. Wolf Schmid spricht in diesem Zusammenhang von einem „abstrakten Autor“ und zeigt die Entstehung des Begriffs im Zusammenhang zu Wiktor Wladimirowitsch Winogradows Entsprechung des „Autorbildes“ (russisch образ автора obraz avtora). Der implizierte oder abstrakte Autor ist die während des Prozess der Rezeption hypostasierte Quelle eines Textes. Der Begriff lässt sich weder mit dem empirischen Autor noch mit dem textimmanenten Erzähler (Erzählinstanz) gleichsetzen. Während der textimmanente Erzähler die „Stimme“ im Text repräsentiert, setzt der implizierte Autor den Erzähler als „Stimme“ ein. Der abstrakte Autor wird Teil der von ihm geschaffenen Bedeutungsstruktur, die nicht nur die Oberfläche des Textes (text surface), sondern auch dessen Konnotationen und Implikationen umfasst. Der implizite Autor ist die Autorfigur, die der Leser beim Lesen oder Hören eines Werkes konstruiert, dabei weicht der implizite Autor immer vom realen Autor ab. Ferner wird der abstrakte Autor in den unterschiedlichen Textproduktionen als differenter impliziter Autor konstruiert. Auch ist der implizite Autor vom Erzähler eines fiktionalen Textes zu unterscheiden. Der implizite oder abstrakte Autor obzwar in einem erzählenden Text immanent vorhanden, ist aber nur implizit, virtuell, angezeigt durch die Spuren, die die schöpferischen Akte der Verschriftlichung hinterlassen haben rekonstruierbar, das bedeutet die aktive Partizipation oder Konkretisation durch den Leser. Dadurch mündet jeder Leseakt in ein Ergebnis eines jeweils anderen abstrakten Autors. Damit wird der abstrakte Autor zu einem werkimmanenten Repräsentanten des realen Autors. Diesem steht der fiktive oder abstrakte Leser oppositionell Gegenüber.
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