Megalithkultur (von altgriechisch μέγας mégas „groß“ und λίθος líthos „Stein“) ist ein archäologischer und ethnographischer Begriff, der in der Forschungsgeschichte umstritten ist. Insbesondere wurde die Hypothese angezweifelt, der zufolge die verschiedenen megalithischen Kulturen einen einzigen gemeinsamen Ursprung hätten. Die Bezeichnung Megalithkultur hat mehrere Bedeutungen: 1. * In Zusammenhang mit dem Namen einer ethnischen Gruppe („Stamm“) oder einer archäologischen Kultur kann er sich auf alle mit dem Bau und der Nutzung von Monumenten aus großen Steinen (Megalithen) verbundenen Kulturerscheinungen beziehen. So sprach Dominik Bonatz noch 2001 von einer Megalithkultur in Nias (Indonesien). Childe (1946) spricht von verschiedenen Megalithkulturen (megalithic cultures). 2. * Die Vorstellung einer über große Distanzen, manchmal weltweit verbreiteten Kultur, die durch die Großsteinbauten und weitere Merkmale miteinander verbunden ist, wird der Diffusions-Theorie zugeordnet. Zeitliche Unterschiede zwischen den verschiedenen megalithischen Phänomenen werden durch die Dauer der Migration und die dabei zurückgelegten Distanzen erklärt. Diese Theorie ist vor allem mit dem Namen des englischen Kulturanthropologen William James Perry (1887–1949) verbunden. In einem engeren geographischen Rahmen verwendeten auch Oscar Montelius (1843–1921) und Sophus Müller (1846–1934) ein Migrationsmodell für die Ausbreitung der Megalithkultur, die vom Orient über Nordafrika nach Westeuropa und von dort weiter nach Norden und Osten vorgedrungen sein sollte. Carl Schuchhardt (1859–1943) kehrte die Ausbreitungsrichtung um und leitete die griechischen Tholoi von westeuropäischen Vorbildern ab. 3. * Die Idee, dass der Bau mit großen Steinen mit einer besonderen Ideologie verbunden ist, auch wenn die Bautraditionen nicht unbedingt in einer genetischen Beziehung stehen, wird als Grundlage für eine eigene Kultur angesehen. So bringt der Ethnograph Adolf Ellegard Jensen (1899–1965) Großsteinbauten mit einem „ausgeprägten Totenkult und Ahnendienst“ in Verbindung. Diese Idee steht mit der Frobenius’schen Kulturmorphologie in Verbindung. 4. * „Megalithkultur“ wurde als Synonym für Trichterbecherkultur oder vielmehr deren Nord-, West- und Ostgruppe verwendet. Diese Bezeichnung war aber mit der Idee eines „Megalithvolkes“ verbunden. Nach Ernst Wahle und Hermann Güntert entstand dieses aus einer Vermischung von einwandernden Germanen und dem „Megalithvolk“. Güntert setzt die „Streitaxtleute“ mit den Indogermanen gleich; sie hätten den „megalithischen Bauernadel“ unterworfen, der in dieser Gegend den Ackerbau eingeführt hatte. Güntert nahm an, dass dieses Megalithvolk eine Sprache sprach, die mit dem Baskischen, Etruskischen und „Ägäischen“ verwandt war; einige ihrer Wörter hätten jedoch überlebt, unter anderem in den neuhochdeutschen Wörtern Flint, Felsen, Halle und Burg. Karl Josef Narr verweist darauf, dass Ethnographie und Archäologie mit verschiedenen Definitionen von „Megalithkultur“ arbeiten. Er macht darauf aufmerksam, dass „sich die prähistorische Megalithik nicht mit irgendeiner, durch archäologische Mittel herauszuarbeitenden Formengruppe deckt oder mit einiger Wahrscheinlichkeit als in einem derart aufgestellten Komplex wurzelnd erweisen läßt.“
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Discovered by embedding cosine similarity (sentence-transformers MiniLM, 384-dim).