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Psalmen (AT) - die-bibel.de

Reinhard Müller

bibelwissenschaft.de

1.1.1. Tehillim. Das Judentum spricht vom סֵפֶר תְּהִלִּים sefær təhillîm „Buch der Lobgesänge” bzw. kurz von den תְּהִלִּים təhillîm „Lobgesängen” (das Wort תְּהִלָּה təhillāh „Lobgesang“ wird in den Psalmen dreißig Mal verwendet, allerdings nur in Ps 145,1 in einer Überschrift). Der hebräische Titel versteht das Buch also als Gotteslob, obwohl in den Psalmen Klage und Bitte überwiegen (s. 3.2.). Das entspricht der Bewegung von der Klage zum Lob, die sich in einzelnen Klageliedern (s. 3.2. und 3.4.) und in der Abfolge der Psalmen beobachten lässt (s. 2.6. und → Psalter 2.1.3.). 1.1.2. Psalmen. Die Septuagintahandschrift (→ Septuaginta ) des Codex Vaticanus betitelt das Buch dagegen ψαλμοί psalmoi „Saitenlieder“, was der Übersetzung der häufigen Psalmenüberschrift מִזְמוֹר mizmôr (s. 1.4.) durch ψαλμός psalmos „Saitenlied“ entspricht; die deutsche Bezeichnung „Psalmen“ geht auf diese Tradition zurück (vgl. Vulgata: liber psalmorum „Buch der Psalmen“). Der Begriff „Psalter“ stammt vom griechischen ψαλτήριον psalterion , das sich im Codex Alexandrinus als Buchtitel findet und in diesem Zusammenhang wohl „Sammlung von Saitenliedern“ bedeutet (ψαλτήριον psalterion bezeichnet eigentlich ein Saiteninstrument, weshalb das Wort auch zur Übersetzung für das hebräische נֵבֶל nebæl „Leier“ dient, z.B. Ps 33,2 ). Etliche Psalmen werden in der Septuaginta (und in der Vulgata, die in der Zählung der Septuaginta folgt) anders gezählt als in der hebräischen Tradition, an der sich die deutschen Bibeln orientieren. Die Septuaginta zählt Ps 9 und Ps 10 als Ps 9 (tatsächlich sind Ps 9-10 ein Psalm); Ps 114 und Ps 115 werden ebenfalls zusammengefasst, während Ps 116 und Ps 147 jeweils geteilt werden. Eine Übersicht bietet die nebenstehnde Tabelle. Ps 114 und Ps 115 werden auch im Codex Leningradensis, im Codex von Aleppo und in manchen jüngeren hebräischen Handschriften als ein Psalm geschrieben, weshalb in dieser Tradition nur 149 Psalmen gezählt werden (s. BHS zu Ps 115,1 ); die Zusammenfassung der beiden Psalmen ist bereits in → Qumran belegt (4Q96). Dagegen betrachtet die babylonische Tradition Ps 114 und Ps 115 als zwei Psalmen (Hossfeld / Zenger, 2008, 258), was möglicherweise ebenfalls in Qumran belegt ist (4Q84). Die Trennung der beiden Psalmen und die damit verknüpfte Zahl von 150 Psalmen fanden schließlich Eingang in den hebräischen textus receptus . Die Septuaginta enthält auch einen 151. Psalm, der laut Überschrift „außerhalb der Zählung steht“; eine hebräische Vorlage findet sich in Qumran (s. 5.3.). Der Psalter enthält vier sog. Schlussdoxologien, kurze Lobsprüche, die mit dem Ruf → „Amen !“ enden (Ps 41,14 ; Ps 72,18-19 ; Ps 89,53 ; Ps 106,48 ). Da sie außerhalb der jeweiligen Psalmen stehen, teilen sie den Psalter in fünf große Abschnitte; die jüdische Tradition sieht darin eine Entsprechung zur Tora: „Mose gab Israel die fünf Bücher der Tora, und David gab Israel die fünf Bücher der Psalmen.“ (Midrasch Tehillim zu Ps 1,1 ). Die Doxologien sind offenbar sukzessive entstanden (vgl. Leuenberger, 2004): Die zweite Doxologie (Ps 72,18-19 ) ist mit einer Schlussnotiz zu den Davidpsalmen verknüpft (Ps 72,20 : „Zu Ende sind die Gebete Davids, des Sohnes Isais“), die der Tatsache widerspricht, dass auch danach Davidpsalmen begegnen (v.a. Ps 138-145 ); das lässt vermuten, dass die ersten beiden Doxologien im Zusammenhang mit älteren Psalmensammlungen entstanden sind (s. 1.5.). Auch die dritte Doxologie (Ps 89,53 ) könnte ursprünglich dazu gedient haben, eine ältere Sammlung abzuschließen: den sog. Messianischen Psalter, der durch die Königspsalmen Ps 2 und Ps 89 gerahmt wird. Viele Psalmen beginnen mit einer Überschrift (Titel oder Inhaltsangaben in heutigen Bibelausgaben stammen dagegen von modernen Bearbeitern). Die Überschriften dürften meist nachträglich hinzugefügt sein; da sie Psalmengruppen bilden (z.B. den vorderen Davidpsalter Ps 3-41 ), lässt sich ein Zusammenhang mit älteren Sammlungen annehmen (s. 1.5.). Unklar ist, welc

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